Geschichte des Altertumsvereins

Gründungsmitglied Dr. Hugo Bischoff (1845-1919)

Die bereits erwähnte Vielzahl der historischen Fundstellen in Dürkheim weckte das Interesse einiger historisch interessierter BürgerInnen der Stadt, sich näher mit diesen Relikten der lokalen Vergangenheit zu befassen. Die Entdeckung von Mahl- oder Reibsteinen innerhalb des frühkeltischen Ringwalls „Heidenmauer“ auf dem Kastanienberg bot letztendlich den Anlass am 1. Mai 1872 den „Alterthumsverein für den Kanton Dürkheim“ zu gründen.
Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Dr. Hugo Bischoff, der auch das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm, Carl Catoir jun., Heinrich und Hermann Cron, Jonathan Gernsheim, Jean Lauf, Hermann Schäfer, Karl Schick und Jean Wernz.

Der Verein sollte „zur Aufklärung der früheren geschichtlichen und kulturgeschichtlichen Verhältnisse Dürkheims und seiner Umgebung durch Nachforschen und Sammeln beitragen“.
Der Altertumsverein steht in der Tradition der „Lesegesellschaft Dürkheim“, die Anfang des 19. Jh., u.a. auch durch den Vater von Hugo Bischoff aus der Taufe gehoben worden war. Die Lesegesellschaft existierte trotz der späteren engen Verbindung zum Altertumsverein als eigenständige Körperschaft weiter, bis sie 1937 aufgelöst und ihre Bestände in die Bibliothek vom Altertumsverein übernommen wurde, die heute als „SCHLARB-Bibliothek“ der Museumsgesellschaft geführt wird.

Bischoffs Vater zählte übrigens auch zu den Gründungsmitgliedern der „POLLICHIA“, die 1840 in Dürkheim ins Leben gerufen wurde. Die Dürkheimer Ortsgruppe der POLLICHIA arbeitete mit dem Altertumsverein seit dessen Gründung eng zusammen, was sich u.a. darin widerspiegelte, dass beide Vereine von ein- und demselben Vorsitzenden geleitet wurden. Außerdem waren die meisten Vereinsmitglieder in beiden Gruppierungen tätig.

Grabung Kriemhildenstuhl um 1920
Grabung Kriemhildenstuhl um 1920

Der Altertumsverein unterstützte tatkräftig Ausgrabungsunternehmen, wie z.B. die archäologischen Untersuchungen von Dr. Christian Mehlis, einem der Pioniere der Pfälzischen Archäologie, auf der „Limburg“ und auf der „Heidenmauer“ in den 1870er Jahren. Daneben lag ein Hauptaugenmerk im Sammeln und Bewahren kulturhistorischer Gegenstände. Im Laufe der Zeit entstand so eine beachtenswerte Sammlung, die sich aus archäologischen Funden, Münzen, „lokalen Antiquitäten“, Bildern, Zeichnungen etc. zusammensetzt. Neben dem Material von den verschiedenen Ausgrabungen, wie z.B. von der „Heidenmauer“, aus dem römischen Steinbruch „Kriemhildenstuhl“, von der „Limburg“ usw. , trugen – und tragen auch noch heute – private Schenkungen zur Erweiterung der Bestände bei. Abgesehen von dem riesigen Inventar des Historischen Museums der Pfalz, Speyer, handelt es sich mittlerweile um die bedeutendste Sammlung archäologisch-kulturgeschichtlicher Objekte aus der Pfalz.

Portrait von Jonathan Gernsheim im Stadtmuseum
Portrait von Jonathan Gernsheim im Stadtmuseum

Neben vielen verdienten Persönlichkeiten des Vereins ist hier besonders Jonathan Gernsheim hervorzuheben, der als erster „Sammlungsvater“ bzw. als Kustos des „ersten“ Heimatmuseums fungierte. Er kümmerte sich um die Pflege der Objekte und deren Verwaltung. Außerdem fertigte er Fundzeichnungen an und erstellte Illustrationen u.a. für einige der archäologischen Publikationen des schon erwähnten Dr. Mehlis, der übrigens auch Vorstandsmitglied im Altertumsverein war. In seiner Eigenschaft als Lederhändler kam Gernsheim „viel herum“ und konnte so auch weitere Objekte ankaufen. Er legte den Grundstock für die reichhaltige antike Münzsammlung, wobei er sich nachweislich auch einige Fälschungen „andrehen“ ließ. Auch seine private Sammlung von prähistorischen Steinbeilen wurde Teil des Sammlungsbestandes des Altertumsvereins.

Die ersten Ausstellungen fanden im damaligen Stadthaus – heute Kurhaus – statt. Aufgrund des Platzmangels entstand die Notwendigkeit, für die Bestände ein eigenes Museum zu etablieren. Hierfür hatten Hugo Bischoff und seine Gattin zwischen 1910 und 1919 100.000 Goldmark als Basis eines Museumsfonds gestiftet, die allerdings der Inflation von 1923 zum Opfer fielen.
Vorausschauend hatte die Stadt schon 1919/1920 das „Graf’sche Haus“ in der Eichstraße erworben, das dem Altertumsverein und der POLLICHIA als gemeinsames Museum zur Verfügung stehen sollte. Die Eröffnung des neuen „Heimatmuseums“ erfolgte 1928. Unter einem gemeinsamen Dach waren hier die naturwissenschaftlichen Bestände der POLLICHIA und die kulturgeschichtlichen Sammlungen des Altertumsvereins klar voneinander getrennt untergebracht.
Die Zeit des Nationalsozialismus und der „Gleichschaltung“ ging auch am Altertumsverein nicht vorbei. Schon 1933 war der Verein der „Arbeitsgemeinschaft der Völkischen Wissenschaft im Kampfbunde für deutsche Kultur in der Westmark“ angegliedert worden.
Aufgrund der Grabungen des Speyrer Museumsdirektors Dr. Friederich Sprater im römischen Steinbruch „Kriemhildenstuhl“ und der dabei freigelegten Inschriften und Felszeichnungen geriet Bad Dürkheim 1935 in den Focus des Reichsführers SS Himmler. Seine Aufmerksamkeit war durch die verschiedenen Felsbilder und –symbole geweckt worden, die u.a. auch von Mitgliedern des Altertumsvereins als Belege für ein „germanisches Sonnenheiligtum“ interpretiert wurden, was in entsprechenden – teilweise hanebüchenen – Publikationen seinen Niederschlag fand. Himmler pachtete das gesamte Areal „Kriemhildenstuhl“ und „Heidenmauer“ und ließ dort durch das „SS-Ahnenerbe“ archäologische Ausgrabungen vornehmen. Die angebliche Bedeutung des „Kriemhildenstuhls“ sollte auch im Museum hervorgehoben werden, u.a. durch eine erhebliche Erweiterung der „Kriemhildenstuhl-Abteilung“. Weitere Pläne sahen einen monumentalen Ausbau des Museums und die Etablierung eines „Germanischen Sinnbildmuseums“ vor, welches „unter Heranziehung der Sinnbild- und Volksbrauchüberlieferung aus dem gesamtgermanischen Lebensraum eine einprägsame Schau von der Eigenart, Wesenheit und Traditionsstärke germanischen Volksglaubens enthalten soll“, wie der damalige Museumsleiter E. Prügel 1938 vermerkte.
Die Ausführung dieser Vorhaben wurde wegen des Kriegsausbruchs 1939 bis „nach dem Endsieg“ verschoben. Die Museumsarbeit wurde im Folgenden durch die Kriegsgeschehnisse stark behindert. Museumsleiter Prügel wurde eingezogen und fiel vermutlich Ende 1944. Aufgrund der zunehmenden Bombardierungen mussten große Teile der Sammlungen an sichere Orte verbracht werden.
Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass die Rolle des Altertumsvereins und der POLLICHIA im Nationalsozialismus noch weiterer Erforschung bedarf!
Ab 1945 konnten nach und nach die Bestände zurückgeholt werden und die Museumsarbeit wieder aufgenommen werden. 

Im Jahre 1949 wurde beschlossen, die schon seit 1872 währende enge Zusammenarbeit der Dürkheimer Ortsgruppe der POLLICHIA mit dem Altertumsverein zu „zementieren“, und so wurde am 8. Mai des Jahres die „Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e.V.“ gegründet, in der auch heute noch die beiden Interessensgemeinschaften intensiv und erfolgreich kooperieren. In diesem Bewusstsein feiern wir 2022 unser 150jähriges Bestehen.

(Für genauere Details beachten Sie auch die Festschrift: „125 Jahre Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e.V. 1872-1997“, die 1997 erschienen ist.)